Apple IPad – Nerdistan dreht durch

Es gibt ja Leute, die behaupten Geschichte wiederhole sich nicht. Knapp 24 Stunden nach der IPad Produktankündigung wurde diese These wunderbar widerlegt. Die Wunschvorstellungen – aka Hype – der letzten Wochen siedete gestern im Januar Event. Von Apple sicher gut gesteuert wurde ein Gerät erwartet das mindestens den Weltfrieden oder zumindest die Heilung von Krebs bringen sollte. Nicht nur die üblichen Verdächtigen in der Bloggeria heizten die Erwartungen in immer höhere Luftschichten, sondern auch die Mainstream-Journalie bekam bei der entblößten Erwähnung des Apple Tablet einen virtuellen ejaculatio praecox.

Nun 24 Stunden nachdem der Hormonstau beseitigt ist, schwingt das Pendel zurück. Wie so häufig bleibt es nicht in der Waage stehen, sondern schlägt fast ungebremst (die Physiker unter Euch mögen mir verzeihen) auf die andere Seite durch oder nennen wir es kurz Nerdistan dreht durch.
Kritikpunkt 1
Aber der Reihe nach, Apple wählte den Begriff IPad – PAD ein Begriff der in der elektronischen Welt immer mit einer berührungsempfindlichen Oberfläche verbunden wird – kann auch in einen Zusammenhang mit Hygieneartikeln gebracht werden. Zugegeben das Video ist witzig, einmal, zweimal, sogar fünfmal. Aber nach einem Tag Bloggeria, Twitter, Email & Co. erreicht es in etwa den Witzfaktor des iPOD’s im deutschen Sprachraum. Wer daraus ein Problem oder „Fail“ baut sollte dringend einen Arzt aufsuchen.
Kritikpunkt 2
Keine Erweiterung mit XX-Karten, festverbauter Akku, UMTS zu teuer, kaum Schnittstellen, kein Multitasking und keine eingebaute Kamera
Ich mache es kurz, das IPad ist keine eierlegende Wolmilchsau.
Aber gut gehen wir mal die Punkte von Nerdistan durch, keine Erweiterung mit SD-100-VERSCHIEDENE-FORMATE-Karten.
Das IPad kommt mit 16, 32, 64GB daher, nennt mich Purist aber ich habe Probleme mein 32 GB IPhone zu füllen. Dabei hat meine Itunes Bibliothek ca. 0,5 TB. Das IPad wie auch das Iphone/Ipod sind mobile Geräte, wer nicht weiß was er wohl die nächsten paar Wochen sehen/hören will, der hat ganz andere Probleme….
Einer der liebsten Pfeile aus dem Köcher Nerdistans, der festverbaute Akku, nun das geht ja gar nicht, 10 Stunden – sagen wir mal reelle 8 Stunden Laufzeit, nein viel zu kurz für die Arktis-Durchquerung. Gefolgt von einem mein XX-Gerät kann da wochenlang im Standby mitlaufen. Ja klar in der Antarktis, wir hier in der Zivilisation haben Strom und wer zu blöd ist an das Ladekabel zu denken ist, der vergisst auch seinen Ersatzakku.
UMTS zu teuer und kaum Schnittstellen, schon ein Stück, dass einem UMTS nicht umsonst angeboten wird und das man bei Aldi für einen UMTS Stick nur xx Euro zahlen muß. Die nächste Frechheit sind die fehlenden Schnittstellen, nur so ein popliger Iphone/Ipod/Ipad Port da kann man ja gar nicht seine Medionhardware dranhängen. Richtig und das ist auch gut so, schon mal versucht die Hardware dieses und anderer Billighersteller innerhalb ein und der selben Version von Windows am Leben zu halten?
Und nun zum KILLERARGUMENT, es kann kein Multitasking. Am schönsten finde ich daran, daß abseits dessen, was SPON Redakteure schreiben – die zu blöd zum Wikipedia lesen sind – auch gelernte ITler diesen Müll absondern. Ich bin es leid EDV Dumpfbacken das Einmaleins zu erklären, aber schon mal drüber nachgedacht warum wohl ein Telefonanruf durch Klingeln angekündigt werden kann während man gerade surft oder Musik lauscht ?
Kommen wir zur fehlenden Kamera, richtig was wären das für tolle Videokonferenzen, bei denen man Brechanfälle bekommt weil ein IPad Teilnehmer seinen Zittern nicht in den Griff bekommt hat und das Teil nicht ruhig halten kann.

Fazit
Das IPad wird kein Tool für Nerds sein, aber die waren auch nie die Zielgruppe. Die Zielgruppe sind wohl eher die Mehrzahl der Menschen, einfache Nutzer eben. Schuldig im Sinne der Anklage.

5 Kommentare

  1. „Und nun zum KILLERARGUMENT, es kann kein Multitasking.“

    Das wär schon schön, wenn man gleichzeitig telefonieren UND surfen könnte, mach ich oft am PC über Skype. Wär auch schön, wenn zwei Apps gleichzeitig offen sein könnten, auch wenn nur ein Prozess aktiv ist. Und auch toll wäre es, wenn man Updates ziehen könnte, ohne dass dabei das Gerät lahm liegt. Zumindest beim iPhone klappt sowas nicht. iPhone OS ist (da UNIX) im Kern selbstverständlich ein Multitaskingsystem, es wird nur nicht vernünftig genutzt.

    „Fehlende Kamera“: Das iPad ist kein iPhone. Das Zittern wird durch das Gewicht deutlich geringer ausfallen. Nebenbei: So ein Zittern kann man per Software herausrechnen, sollte kein Problem für Apple sein, sowas zu entwickeln.

    Flash: das Thema kommt in deinem Plädoyer gar nicht vor! Verständlich, es passt ja nicht zur Überschrift. Speziell Flash ist nun absolut unnerdy. Ressourcenfresser hin oder her – jedes doofe Netbook kann sowas. Aber wenn Apple Sprüche bringt wie „das ganze Internet in deiner Hand“ oä, kann ich nur lachen.

    „Kaum Schnittstellen“: wo liegt das Problem für eine Firma wie Apple, einen lausigen USB-Port bereitzustellen, an den man einen Memorystick anschliessen kann? Mit einer einfachen App könnte auch der dümmste Nichtnerd seine geliebten Photos vom Stick auf den iPad transferieren, ohne dass das geschlossene System Lücken bekäme. Meine Eltern, die von Computern eigentlich keine Ahnung haben, machen sowas auf einem stinknormalen Notebook.

    Mein Fazit:
    Es handelt sich um Mängel, die absolut nichts mit Nerdistan zu tun haben. Das iPad soll keine eierlegende Wollmilchsau sein. Dummerweise legt es (um bei dem Bild zu bleiben) WEDER Eier, NOCH gibt es Milch, NOCH produziert es Wollė. Vieleicht taugt es als Sau.

  2. Stimmt, Flash hab ich vergessen. Richtig das braucht JEDER, damit er sich von Werbung berieseln lassen kann. Schon mal die meisten Seiten im WEB angesehen, die intensiv
    Flash nutzen ?
    BTW. HTML5 ist am Start und kommt eher früher als später auch im IPhoneOS an, warum einen Ressourcenkiller, der aus der Windowswelt stammt unterstützen ?
    Das es auch anders geht zeigt gerade die youtube.

    „Kaum Schnittstellen“ – und warum dann nicht den Adapter verwenden ?

  3. „Stimmt, Flash hab ich vergessen. Richtig das braucht JEDER, damit er sich von Werbung berieseln lassen kann.“

    Tja, im Internet braucht man für so einiges Flash. Einige Beispiele:
    – Auto konfigurieren (weil der Kauf geplant sein will)
    – Hallmark-Grußkarten verschicken (nett sowas)
    – Mode-Seiten ansehen (weil man/frau etwas bestellen möchte)
    – Online-Spiele spielen
    – es soll noch weitere Dinge geben, für die Flash benötigt wird.
    Die Beispiele haben aber auch nichts mit Nerd-sein zu tun. Und es sind Beispiele, die soweit ich weiß nicht ohne weiteres von HTML5 geleistet werden. Mag sein, dass in der Theorie HTML+CSS+JS+SVG das gleiche leisten wie bzw mehr leisten als Flash. Aber welcher Browser beherrscht animiertes SVG gemäß dem Standard? Safari vielleicht? Glaub ich erst, wenn ich es sehe. Flash hingegen ist jetzt schon vorhanden und es läuft auf den ARM-Prozessoren, behauptet Adobe jedenfalls.

    „der aus der Windowswelt stammt“: Diese Auffassung halte ich für provinziell. Ich verwende grundsätzlich nur Linux, und es interessiert mich nicht, wer Flash entwickelt hat, solange es funktioniert. Wenn ich Sicherheitsbedenken habe, benutze ich ein Browserprofil ohne Flash.

    „Adapter“: Ähm, der Witz beim iPad und bei Rechnern im allgemeinen ist, dass sie so praktisch sind. Bei Apple-Hardware kommt noch der Coolness-Faktor durch das bislang sehr gute Design hinzu. Ich kann mir im Jahr 2010 kaum was bekloppteres vorstellen, als einen Rechner, an dem ein Adapter baumelt, damit ich einen Memorystick anschliessen kann. Als (Halb-)nerd macht es mir nichts aus, wenn Kabel durch mein Wohnzimmer laufen und hier noch ein Adapter rumhängt und da noch ein Hub. Mit einem iPad will das gerade *nicht*.

  4. Wie schon geschrieben, mit HTML5, CSS und H.264 ist Flash nicht mehr nötig, schau Dir einfach mal die Beta von Youtube an.
    Weiter weigert sich Adobe Ihrem Müll so zuschreiben, dass es nicht den Prozessor grillt. Ja und das würde auch unter OSX gehen nur muß man es wollen.

    Warum sollte der Adapter da permanent dranhängen, anstecken, Daten rüberwerfen und gut ist. Das Oder noch besser mittels Itunes übertragen. Aber wahrscheinlich wären 80 Anschlüsse nicht ausreichend.

  5. „Aber wahrscheinlich wären 80 Anschlüsse nicht ausreichend.“

    Ich glaube, die meisten Leute haben vernuenftige Vorstellungen, welche Anschluesse so ein Geraet haben sollte. Bei 10h Laufzeit halte ich einen wechselbaren Akku nicht fuer noetig. Ich glaube zwei (vll. drei) USB-Ports geben Sinn.

    Mir ging es nicht um Videos, auch wenn dass die haeufigste Verwendung von Flash ist. Mir geht’s um alles andere, das einen hohen Grad an Interaktion verlangt und gut aussehen soll. Da nuetzt mir H.264 nichts. Ich denke, das geht alternativ zu Flash nur mit dyn. SVG, und das wird nicht gut genug unterstuetzt.

    Klar sollte Adobe den Kram verbessern, aber soweit ich weiss tun sie das bereits.

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